Das Emser Bergbaumuseum - seine Entstehung und seine Sammlungen

 

Seit Mai 1996 gibt es in der Kurstadt Bad Ems das „Emser Bergbaumuseum“. Die Einrichtung wird von dem Verein „Arbeitsgemeinschaft Bahnen und Bergbau e.V.“ (AGBB) betrieben. Der gemeinnĂŒtzige Verein besteht seit 1986, erste AktivitĂ€ten der GrĂŒnder sind schon 1978 auszumachen. Laut Satzung macht sich die  AGBB die Pflege und den Erhalt der Bergbautradition von Bad Ems zur Aufgabe. Man versteht sich als Arbeitsverein, der tatkrĂ€ftig Hand anlegt um vornehmlich durch Eigenleistung dieses Ziel anzustreben. Mit viel Engagement opfern die Mitglieder ihre Freizeit um bergbauhistorische Wanderungen durchzufĂŒhren, GerĂ€t zusammenzutragen und zu restaurieren, Sammlungen  aufzubauen sowie zu verwalten, Ausstellungen zu organisieren, eine Schaustollenanlage herzurichten und letztendlich ein Museum des Bergbaus einzurichten und zu betreiben.

Der Weg zur Eröffnung des „Emser Bergbaumuseums“ war lang und arbeitsintensiv. Das ehemalige Steigerhaus der Emser BleihĂŒtte – vom AGBB-Vorsitzenden 1989 erworben – mußte, bevor ĂŒberhaupt an  einen Museumsbetrieb zu denken war, grundlegend saniert und umgestaltet werden. Dies geschah mit großem Arbeitseinsatz und FeingefĂŒhl fĂŒr die sehr gut erhaltene historische Bausubstanz des 1853 erbauten BruchsteingebĂ€udes. Nach Beendigung der Arbeiten prĂ€sentiert sich nun das Parterre-Geschoß als AusstellungsflĂ€che fĂŒr die reichhaltigen Sammlungen des Vereins. Man versteht dies als Keimzelle  eines wachsenden Museums, d. h., die Weiterentwicklung und der Ausbau ist vorgesehen. Im Mai 1998 wird der Eingangsbereich neu gestaltet, in einem mittelfristigen Zeitraum ist der Anbau einer Ausstellungshalle geplant. Ebenfalls integriert werden soll das AußengelĂ€nde, auf dem sich schon heute verschiedene Bergbaumaschinen und – auf einer Gleisanlage – Fahrzeuge aus dem Gruben- und  Feldbahnbereich des Rhein-Lahn-Kreises tummeln. Dem letztgenannten Bahnbereich soll als ErgĂ€nzung langfristig eine 500 Meter lange Fahrstrecke auf dem Bahndamm der ehemaligen Werkseisenbahn angeschlossen werden.

Dem Emser Bergbaumuseum ist das „Emser Bergbauarchiv“ angeschlossen. Es verfĂŒgt ĂŒber BestĂ€nde  der Montangeschichte des Rhein-Lahn-Kreises und des Wirkungskreises der Stolberger Zink AG. Schwerpunkt ist der Bergbau auf dem Emser Gangzug. Die Sammlung gliedert sich in Grubenrisse, Akten, technische Zeichnungen, Bildarchiv und Bibliothek.

Ein kleiner Rundgang durch das „Emser Bergbaumuseum“

 Raum 1, Altbergbau: Hier wird der vorindustrielle Bergbau anhand einiger Exponate dargestellt. An der Wand hĂ€ngt die Urkunde von 1158. Dies ist der erste schriftliche Beleg fĂŒr den Bergbau im Bad Ems.  FundstĂŒcke aus einem alten Stollen sind Öllampen, eine alte Emser Mineralwasserflasche als LampenölbehĂ€lter sowie die Reste einer historischen Schubkarre, mit der man vor 200 Jahren das Erz aus den Stollen förderte. Original-Schlacken weisen auf eine wohl mittelalterliche Eisenschmelze mit Rennöfen im Distrikt „First“ bei Kemmenau hin. Ein gußeiserner Ofen animiert zum Besuch der Ausstellung  ĂŒber die „Nieverner HĂŒtte“ im Kur- und Stadtmuseum Bad Ems, altes Rathaus. Auch die heimatkundliche Sammlung in der ehem. Nieverner Schule befasst sich mit der traditionsreichen Eisengießerei.

Raum 2, industrieller Bergbau: Die industrielle Phase ist  hier zu sehen. Gleichzeitig wird hier der Höhepunkt der Entwicklung dokumentiert. Persönliche Papiere Emser Bergleute liegen aus. Ein originaler Förderwagen mit  Haldenerz steht in der Raummitte. Karbid-Grubenlampen hĂ€ngen in der Fachwerkwand und zeigen die Bedeutung des Lichtes fĂŒr den Bergmann auf. Eine Paradeuniform des Obersteigers bildet den Kontrast zu einer Vitrine, in der der Streit um die Emser Thermalquellen zwischen Bergbauunternehmen und Quellenverwaltung deutlich wird.  Hier ist auch das Vermessungswesen und die Sprengarbeit zu sehen. Ebenfalls wird auf den Kriegsgefangeneneinsatz eingegangen. GrubenplĂ€ne an  der Wand zeigen die Ausdehnung der Stollen und SchĂ€chte. Weitere Exponate sind Originalwerkzeuge (u. a. ein Preßluft-Bohrhammer) und ein Bergmannsklo, die sogenannte „Atzel“.

 Raum 3, Soziales, Aufbereitungs- und HĂŒttenwesen: Dieser Raum widmet sich dem Sozialbereich mit Werkswohnungswesen und den Vereinen. Der Transport mit der Werkseisenbahn wird am Fragment der 1988 abgebrochenen Remy-BrĂŒcke sowie anderen Original-Relikten verdeutlicht. In der Hochvitrine wird auf die ErzwĂ€sche (Aufbereitung) mit ihren Produkten Bleierz, Zinkerz und Kupfererz sowie Spateisenstein eingegangen. Auch das Strafbuch der Aufbereitung Silberau liegt aus. Wer damals faulenzte oder seine Arbeit nicht korrekt ausfĂŒhrte wurde mit empfindlichen Strafen belegt. Teils waren dies ganze Tagesverdienste. Weitere Dokumente gelten der Bleischmelze, der Unternehmensentwicklung und den Endprodukten aus Blei, Zink usw.

 Raum 4, Mineralienkabinett: Im „Mineralogischen Kabinett“ zeigt sich die ganze Pracht und Schönheit der heimischen Mineralien und Erze. Hier sind StĂŒcke zu sehen, die alten Sammlungen entstammen. Schwerpunkt ist Bad Ems und Umgebung, aber auch angrenzende Reviere wie z. B. das Siegerland oder der Moselbereich werden nicht ausgegrenzt. Selbst bundesdeutsche und auslĂ€ndischen Fundorte sind  vertreten, da diese Exponate lediglich fĂŒr ein Depotdasein  zu schade waren. Besonders hervorzuheben ist die Sammlung „Heinrich Zorn“, welche als bedeutendste und grĂ¶ĂŸte am Ort befindliche Mineraliensammlung geschlossen dem Museum im Jahre 1994 ĂŒbereignet wurde.

 

Das Emser Bergbaumuseum ist von MÀrz bis Oktober jeweils Sonntags von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.

In der Winterzeit nur nach Vereinbarung.

Anschrift: Emser HĂŒtte 13, 56130 Bad Ems,

e-mail:frank.girmann@emser-bergbaumuseum.de