Lange Schacht-Nacht im BergbaumuseumLange Schachtnacht

Auf eine ganz besondere Zeitreise begab sich letzten Samstag (04.11.2017) das Publikum im Emser Bergbaumuseum, denn die Arbeitsgemeinschaft Bahnen und Bergbau e.V. hatte am Abend zur „Langen Schacht-Nacht“ geladen und konnte sich über eine „volle Hütte“ freuen. Im Zentrum der Veranstaltung stand Thorsten Gökpinar vom Lehrstuhl Hydrogeologie der Ruhr-Universität Bochum, der seit Frühjahr 2017 in den Schachtanlagen der Bad Emser Erzgrube „Neuhoffnung“ unbemannte Kameratauchfahrten unternimmt.

Bei diesen Tauchaktionen entsteht Film- und Bildmaterial einer untertägigen Arbeitswelt, die am 19. März 1945 durch kriegsbedingten Stromausfall unter Wasser ging („absoff“). Es dauerte fast zwei Jahre, bis die vielfach untereinander verbundenen Hohlräume der Bergwerke Neuhoffnung, Fahnenberg, Pfingstwiese und Tollgraben bis auf das Niveau des Stadtstollens geflutet waren. Heute fließen die gesamten Grubenwässer des sogenannten Nordfeldes über diesen Stollen frei in den Emsbach aus. Deren durch Thermalquellenzuflüsse erhöhte Temperatur wird aktuell durch ein geothermisches Pilotprojekt für die Beheizung des Rathauses in der Bleichstraße nutzbar gemacht.

Diese geflutete Arbeitswelt versank damit auch im Dunkel des Berges und war somit eigentlich dem menschlichen Auge entzogen – bis Thorsten Gökpinar mit seiner Kameratechnik dem feuchten Element zu Leibe rückte. Ursprünglich hatte er nur daran gedacht, seine selbst entwickelte Tauchkamera auszuprobieren und deren Möglichkeiten zu testen. Bei der Suche nach einem für das Vorhaben geeigneten Schacht wurde er auf Bad Ems aufmerksam. Aus den ersten Versuchen wurde aber schnell mehr, als Gökpinar feststellte, dass insbesondere der Weidtman-Schacht durch dessen unerwartet klare Sichtverhältnisse zur Tiefe hin nach mehr verlangte. Mit dem, was die Kamera mit zunehmender „Teufe“ erblickte, wuchs auch die Neugier, eine damals abrupt aufgegebene Arbeitswelt mit dem LED-Licht der Neuzeit auszuleuchten.

Ohne Zweifel paarten sich hier mehrere Gedanken: die Tauglichkeit der Kamera zu erproben sowie diese weiter zu verbessern mit der Möglichkeit, Einblicke in die letzten Tage des Emser Bergwerks zu erhalten sowie Erkenntnisse über die hydrogeologischen Zusammenhänge in den Schächten zu gewinnen. Insbesondere der historische Aspekt rief dann auch Frank Girmann vom Emser Bergbaumuseum auf den Plan, der bei einigen der zeit- und materialaufwändigen Untertage-Terminen live am Notebook die spannenden Filmübertragungen mitverfolgen durfte.

Bei der Schacht-Nacht im Bergbaumuseum hatten nun auch die Gekommenen die Gelegenheit wahrgenommen, sich der packenden Tauchfahrt hinzugeben. Knapp 800 Meter ging es langsam hinab in die Tiefe. Anfangs begleitete ein „Schneegestöber“ - unter anderem aus Eisenhydroxid - das Objektiv, aber Meter für Meter wurde die Sicht freier und man erkannte erstaunlich klar Details, wie Tiefbausohlen, Schachttüren, Schraubenschlüssel, Werkbänke, Anschläge, Schienen, Wipp-Bühnen, Rohr- und Kabeleinbauten und als Highlight Wasserhaltungspumpen, eine große Anzahl Förderwagen („Hunte“) und sogar eine Deutz-Grubenlok, die offenbar im Reparaturzustand auf der 11. Sohle von ihrem Monteur verlassen wurde. Bis in den „Sumpf“ (das unterste Schachtende) ging die Tauchfahrt, und man konnte teilweise eine Stecknadel fallen hören, so gespannt waren die Blicke auf die Leinwand gerichtet, die jeden Augenblick neue Details preisgeben konnte.

Das Filmmaterial, sowie zwei originale Tauchkameras, regten aber auch zu vielen Gesprächen mit Thorsten Gökpinar an, der es bestens verstand, sympathisch das komplexe Fachwissen dem Publikum zu vermitteln und für seinen Forscherdrang zu begeistern. Gut fünf Stunden dauerte die Fahrt Richtung Mittelpunkt der Erde. Damit es allen während des „Tauchgangs“ in der ungeheizten Museumshalle nicht zu sehr fröstelte, war vom Emser Bergbauverein auch für innere Wärme gesorgt worden. Heißgetränke sowie zwei schmackhafte Suppen wurden gerne angenommen und sorgten für eine aufgelockerte Stimmung während einer ziemlich einmaligen „Langen Schacht-Nacht“.

 

Schachtnacht-klein-1 Schachtnacht-klein-2
Schachtnacht-klein-3
Schachtnacht-klein-6 Schachtnacht-klein-7

Foto’s: Frank Girmann