Zur Geschichte des Emser Blei-Zink-Erzbergbaus

von Frank Girmann

(Kurzfassung, Stand MĂ€rz 2015) 

Römischer Bergbau am Blöskopf in Bad Ems kann nach neuesten Erkenntnissen schon zur Zeitenwende als gesichert angenommen werden. Zu dieser Zeit bestand hier nahe dem gut 100 Jahre spĂ€ter gebauten Limes ein kleines Schmelzwerk mit einem turmartigen GebĂ€ude („Römisches Haus“) sowie umfangreiche Tagebaue in dessen NĂ€he. Dort wurde mit großen zeitlichen Unterbrechungen bis weit ĂŒber das Mittelalter hinaus im sogenannten "Eiserne Hut" der nach ĂŒber Tage ausstreichenden Blei-Zink-ErzgĂ€nge die begehrten Bleimineralien sowie wohl ein minderwertiges Eisenerz abgebaut. Römischer Untertage-Bergbau ist in diesem zur Grube Pfingstwiese zĂ€hlenden Revier bislang noch nicht nachgewiesen.

Die erste schriftliche ErwĂ€hnung liegt mit einer Urkunde aus dem Jahre 1158 vor, in welcher Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) den Trierer Erzbischof Hillin die Rechte an den "Silbergruben zu Ems" verlieh. Dies, und auch ein spĂ€terer Streit um die Bergwerke, sind Anzeichen fĂŒr einen wohl zu dieser Zeit regen und bedeutenden Betrieb. Es folgen Jahrhunderte ohne Hinweise auf den Zustand der Betriebe und dort umgehenden Erzabbau. Vermutlich lag der Bergbau ĂŒber weite Zeit still. Im 18. Jahrhundert spricht man von regem Bergbau im 14. und 15. Jahrhundert. 

Erst mit dem Jahr 1766 beginnt dann die eigentliche BlĂŒtezeit des Unternehmens. Johann Remy aus Bendorf, Spross einer lothringischen Industriellendynastie, begann planmĂ€ĂŸig die maroden Gruben aufzukaufen und zu einem Unternehmen zusammenzuschließen. 1781 ĂŒbernahm die "Gewerkschaft Remy, Hoffmann & Co." sĂ€mtliche Betriebe. 1872 wandelte man die bergbauliche Gewerkschaft in die "Aktiengesellschaft des Emser Blei- und Silberwerks" um, welche dann 1909 mit der spĂ€teren "Stolberger Zink AG" fusionierte. Bis 1972 war dieses Unternehmen EigentĂŒmerin der Emser Bergwerke.

Die BlĂŒtezeit im Emser Erzbergbau lag im 19. Jahrhundert, sowie die Jahre vor und wĂ€hrend der beiden Weltkriege. Insbesondere im Zweiten Weltkrieg nahmen die bergbaulichen AktivitĂ€ten wegen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches immense Formen an. ErwĂ€hnt sei hier auch der Einsatz von Kriegsgefangenen im Erzabbau und der Förderung. Mit Ausfall der Stromversorgung gingen am 19. MĂ€rz 1945 die Bergwerke unter Wasser. Nach dem Krieg sah man aus wirtschaftlichen GrĂŒnden sowie wegen der jahrzehntelangen SchĂ€digung der Bad Emser Thermalquellen durch den Tiefbau auf Neuhoffnung von einer Wiederaufnahme des Erzabbaus ab. Lediglich die Zentralaufbereitung Silberau kam bis zum Sommer 1959 mit Fremd- und Haldenerz in Betrieb.

Alter, in SchlÀgel-und-Eisen-Arbeit 
aufgefahrener Stollen am Blöskopf. 
Foto: F.Girmann

Zahlen und Fakten

Einige Zahlen: der tiefste Schacht war der Seitrich-Schacht der Grube Neuhoffnung mit einer Gesamtteufe von 892,11 Metern. Diese wichtigeste Emser Grube hatte 15 Tiefbausohlen (unter Talniveau), sowie 4 Hochbausohlen. Weitere Bergwerke waren die Grube Bergmannstrost, die Grube Fahnenberg, die sehr alte Grube Pfingstwiese, der Betriebspunkt Tollgraben sowie die Grube Silberkaute bei Arzbach. Das Erzbergwerk war auch unter der Sammelbezeichnung "Mercur" bekannt. Über eine Förderstrecke auf der 11. Sohle war seit 1939 die Grube Neuhoffnung mit den Abteilungen Pfingstwiese und Tollgraben verbunden. Der höchste Personalstand war im Jahre 1880 mit 1.634 BeschĂ€ftigten in Bergwerken, Aufbereitung, Bleischmelze und Nebenbetrieben. Die Förderzahlen des gleichen Jahres lauten: 17.828 t Bleierz, 2.954 t Zinkerz. 1942 wurden 6.413 t Bleierz und 14.798 t Zinkerz gefördert. Die im 19. und 20. Jahrhundert geförderte Gesamt-Roherzmenge betrug 2,8 Millionen Tonnen.

Standorte der Betriebe

Die Grube Bergmannstrost (frĂŒher Grube Linnebach) lag sĂŒdlich der Lahn hinter dem heutigen Bahnhof Bad Ems West. Die anderen Bergwerke lagen sĂ€mtlich nördlich der Lahn in den östlichen Bergen des Emsbachtals. Die Erze wurden von dort mit einer Schmalspureisenbahn ("Werksbahn") auf die Lahninsel Silberau zur ErzwĂ€sche (Aufbereitung) transportiert. Dort befindet sich heute die Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises. Das aufbereitete Erz ging anschließend in die Blei- und SilberhĂŒtte, die wieder im Emsbachtal lag. Noch heute nennt die Bevölkerung diesen Ortsteil "Emser HĂŒtte".

Noch sichtbare Zeugnisse

Am Bahnhof Bad Ems West hat sich bis heute mit der sogenannten "Zentrale" das 1903 erbaute Kraftwerk der Grube erhalten. Es ist das bedeutendste Bauzeugnis der Bad Emser Bergbauzeit und prĂ€sentiert sich nach der Sanierung (2003) und Neunutzung wieder in alter Pracht. Im Pitschbachtal steht die Ruine des steinernen Adolph-Schacht-Förderturms. Nahe des Blöskopfes steht mitten im Wald als Rest der Untertage-Dampferzeugung Pfingstwiese noch ein alter Kamin neben dem Brandlochschacht. Architektonisch gestaltete Stollenmundlöcher sind beim Neuhoffnungsstollen und Stadtstollen zu sehen. Letzter Baukörper der Schmelze ist das Steigerhaus, das seit 1996 das "Emser Bergbaumuseum" beherbergt. Wohnsiedlungen der Bergarbeiter sind in den Straßen Eisenbach, Arzbacher Straße und Lindenbach erhalten - jedoch mehr oder weniger stark in der Substanz verĂ€ndert. Dies gilt auch fĂŒr die SchlafhĂ€user (Menagen) in der Ernst-Born-Straße und Arzbacher Straße. Fast vollstĂ€ndig als Fuß- und Radweg nutzbar ist die Trasse der Werkseisenbahn. Auf der Insel Silberau beherbergt heute das Pförtnerhaus der Erzaufbereitung einen Hersteller fĂŒr KFZ-Schilder. Große Bergehalden befinden sich noch heute auf der Insel Silberau (saniert) sowie im Fröschbachtal auf Nieverner Gemarkung.